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 Die Piraten von Bloodstone - Fable FanFiction

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Noona

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Weiblich Anzahl der Beiträge : 1205

BeitragThema: Die Piraten von Bloodstone - Fable FanFiction   Mi Jun 17, 2015 8:45 pm

Vor einiger Zeit habe ich mal an dieser FanFiction herum geschrieben, da mir Fable (ein schönes Videospiel) recht gut gefällt und ich die FanFiction daher einfach mal als eine Art Schreibübung nutzen wollte, in welche ich aber trotz allem ein wenig Herzblut gesteckt habe : )
Hier bekommt ihr mal das erste Kapitel und wenn es euch gefällt, poste ich auch noch die restlichen Kapitel, die ich bisher geschrieben habe (eine unfassbare Menge von 2 :'D)
Viel Spaß beim lesen! Embarassed



Kapitel 1
Traum und Wirklichkeit - Reaver


Alles lag in tiefer Dunkelheit.
Langsam wagte ich mich, mit schwerem Atem und rasendem Herzen voran. Der Klang meiner Schritte hallte von den endlos scheinenden Wänden, die so wirkten, als bestünden sie aus purer Finsternis, lauter wider, als er eigentlich war und wurde dann von ihm verschlungen, als hätte er nie existiert.
Ich versuchte angestrengt etwas in der undurchdringlichen Dunkelheit zu sehen, doch das einzige, was ich erkennen konnte, waren die unzähligen Schatten um mich herum.
Ich spürte, wie sie neben mir her wanderten, mich verfolgten, mich beobachteten und sich an mich anschlichen, um mich mit ihren klauenartigen Fingern zu berühren.
Mit einem Mal begannen die Schatten in einer längst vergessenen Sprache zu flüstern, die ich bisher nur aus sehr alten Büchern kannte. Das Flüstern steigerte sich und wurde immer lauter, bis die Schatten zu schreien schienen. Als das Geschrei so laut geworden war, dass ich es kaum noch aushalten konnte, schwiegen die finstern Wesen plötzlich, verschwanden und gaben den Blick auf drei düstere Gestalten frei.
Sie befanden sich auf einem kleinen Podest, welcher von hunderten von Kerzen umringt war, die bereits alle zu kläglichen Stümpfen herunter gebrannt waren, sodass sich das Wachs in obskuren Formen über den Boden ergoss.
Die drei Gestalten schienen aus noch mehr Finsternis zu bestehen, als die Schatten zuvor. Sie trugen dunkle Roben mit Kapuzen, welche die Stelle an denen ihre Gesichter hätten sein müssen, in vollste Dunkelheit tauchten und nur drei rot glühende Augenpaare offenbarten, die mich anstarrten, während ihr Blick meinen Leib, meine Seele und mein Herz zu durchbohren schien.
„Willkommen.“, verkündete der erste Schatten.
„Willkommen.“, echote der zweite.
„Willkommen“, wiederholte der dritte.
Ich war unfähig irgendetwas zu sagen, wollte am liebsten davon laufen, doch die drei Schatten schienen mich mit ihren Blicken fest zu halten.
Die Kerzen begannen zu flackern und eine nach der anderen erlosch, als die Richter gleichzeitig zu sprechen begannen.
„Wir erkennen den Handel an. Nun holen wir uns, was uns zusteht.“
Ich sah wie die letzte Kerze erlosch und mit einem Mal befand ich mich in Oakvale.
Doch es war nicht mehr das Oakvale, welches ich mein Zuhause genannt hatte.
Überall waren Schatten. Es war unmöglich zu erahnen, wie viele es genau waren. Sie glitten lautlos über die Felder, durch die Straßen und zerstörten dabei alles, was von ihrer Finsternis berührt wurde. Sie jagten die Bewohner Oakvales und verschlangen sie, ohne auch nur irgendetwas von ihnen übrig zu lassen. Die Luft wurde von Schreien durchschnitten.
Ihre hörte ich ganz deutlich in der Ferne.
Endlich konnte ich mich aus meiner Erstarrung lösen und rannte los.
„Hört auf!“, schrie ich die Schatten an, während ich versuchte mir einen Weg durch sie hindurch zu bahnen. „Das habe ich nicht gewollt! Davon habt ihr nichts gesagt! Es war nicht Teil der Abmachung!“
Dann erblickte ich meine geliebte Liora. Ihr wunderschönes, rotes Haar war zerzaust, ihr Kleid war zerrissen und ihre klaren, blauen Augen hatten sich mit Tränen gefüllt, welche sich über ihre Wangen ergossen.
Als sie mich erblickte, wollte sie zu mir, doch augenblicklich schossen Schatten auf sie zu und umkreisten sie bedrohlich. Ich wollte ihr helfen, doch einige Schatten hielten mich zurück.
„Nein! Lasst sie in Frieden! Nehmt meine Unsterblichkeit zurück, aber lasst sie gehen!“
Doch die Schatten ließen sich nicht überreden. Sie umkreisten Liora enger, bis sie sich nicht mehr bewegen konnte, aber dennoch lächelte sie mich noch ein letztes Mal an und rief: „Ich liebe dich, Liam! Für immer!“
Dann wurde sie von den Schatten verschlungen.

Ich schreckte aus dem Schlaf hoch und rang hektisch nach Luft. Mein Gesicht, sowie mein Körper waren schweißbedeckt, sodass ich zu frösteln begann.
Unruhig sah ich mich um. Erleichtert stellte ich fest, dass ich mich in meinem Schlafgemach befand. Obwohl die Laken vollkommen zerwühlt waren, saß ich allein in meinem großen Bett. Ich erinnerte mich wieder daran, dass mir gestern nicht der Sinn nach einer Party stand und dass ich auch keine Lust hatte mir Bettgenossen in mein Quartier zu holen.
Ich schloss die Augen, beugte mich vor und vergrub mein Gesicht in meinen Händen. Es gelang mir meine Atmung zu beruhigen, sodass ich wieder klarere Gedanken fassen konnte.
Warum musste mich dieser Alptraum nach all den vielen Jahren, die seit diesem schrecklichen Tag verstrichen, immer noch verfolgen? Warum musste ich immer wieder sehen, wie die einzige Frau, die ich je geliebt hatte …
Das Läuten der Hafenglocke riss mich aus meinen finsteren Gedanken und ich war durchaus dankbar dafür.
Ich schlug die zerknitterten Laken beiseite, stieg aus dem Bett und griff nach meinem Morgenmantel aus roter Seide. Während ich den Gürtel zuschnürte, begab ich mich zum Fenster, welches ich am Abend zuvor leicht geöffnet hatte, sodass ich nun auf Bloodstone hinaus schauen konnte.
In den Straßen herrschte geschäftiges Treiben, so war es immer, wenn ein neues Schiff ankam. Die Händler begaben sich mit Körben, prall gefüllt mit ihren jeweiligen Waren, hinunter zum Hafen, um sich mit den anderen Händlern darüber zu streiten, wem die besseren Verkaufsplätze zustanden. Kinder zerrten ihre Eltern auf verschiedene Arten und Weisen die Hauptstraße hinunter, oder bettelten sie, mit großen Augen und lauten Stimmen, darum an sich das neue Schiff mitsamt Besatzung ansehen zu dürfen. Sogar die Huren schienen aufgeregt zu sein, da einige von ihnen durch die Fenster des Freudenhauses zu sehen waren, wo sie versuchten sich gegenseitig herzurichten.
Ich löste meinen Blick von Bloodstones Straßen und wandte ihn zum Horizont.
Dort in der Ferne erblickte ich das Schiff welches sich, unter dem beständigen Läuten der Hafenglocke, meinem Küstenparadies näherte.
Obwohl das Schiff noch eine recht weite Distanz überbrücken musste, um in den Hafen einlaufen zu können, sah ich bereits deutlich, dass es sich um einen Kahn von beachtlicher Größe handelte. Da ich außerdem erkennen konnte, dass es sich um ein Schiff mit noch glänzendem Holz und sauberen Segeln handelte, war es gut möglich, dass sich der ein oder andere Schatz an Bord befand.
Mit einem Mal musste ich schmunzeln, denn ich konnte die Bewohner Bloodstones recht gut verstehen. Auch ich war jedes Mal erfreut, wen sich Gäste nach Bloodstone verirrten, denn bedauerlicher Weise erhielt man hier nicht viel Besuch. Der einzig sichere Weg hierher führte über das Meer doch aus unerfindlichen Gründen ließen sich die meisten Kapitäne von der Tatsache abschrecken, dass am Ziel ihrer Reise der Piratenkönig residierte.
Natürlich gab es auch noch einen anderen Weg, doch niemand, der ihn wählte, schaffte es je lebend, oder mit vollem Verstand nach Bloodstone.
Ich öffnete das Fenster etwas weiter und schaute zu der Anhöhe, von der ich wusste, dass sich Wraithmarsh dahinter verbarg. Wahrscheinlich war ich der einzige, der wusste, dass dieser Ort des Schreckens einst eine idyllische kleine Stadt namens Oakvale war.
Doch das lag bereits Jahrhunderte zurück. Es war bevor die Dinge passiert waren, die mich noch bis heute, immer wieder in meinen Träumen heimsuchten.
Ich lehnte mich gegen die Wand neben dem Fenster, schloss meine Augen und drückte die Lieder fest aufeinander.
Oh, meine geliebte Liora …
Der Gedanke an sie schmerzte so sehr. Ich durfte es nicht zulassen …
Doch schon schafften es die Schatten sich wieder in meine Gedanken zu schleichen.
Ich sah wie sie die einzige Frau, die ich jemals geliebt hatte, mit ihren dunklen Fängen verschlangen und mir Liora so für immer nahmen.
Angestrengt versuchte ich diese schreckliche Erinnerung beiseite zu schieben, an etwas anderes zu denken, doch es fiel mir schwerer als erwartet.
Wie hätte ich diesen wundervollen Menschen jemals vergessen können?
Ich hörte, wie der Wind draußen auffrischte, woraufhin ich einen warmen Hauch spürte, welcher mir sanft über mein Gesicht und durch mein Haar fuhr.
„Bitte sei nicht traurig. Du weißt doch, dass ich es viel schöner finde, wenn du glücklich bist.“, hörte ich Lioras Stimme in meinem Kopf. Für einen kurzen, aber wundervollen Moment fühlte es sich so an, als wären es Lioras zarte Hände, die anstelle des Windes über mein Gesicht streichelten. Voller Sehnsucht flüsterte ich ihren Namen, streckte meine Hand aus, um sie zu berühren, doch als ich meine Augen öffnete hielt ich nichts als die warme Sommerluft.
Meine ausgestreckte Hand begann zu zittern. Ich ballte sie zur Faust, um sie im nächsten Moment, so fest ich konnte, auf das Fensterbrett zu schmettern, welches daraufhin ein bedrohliches Knacken von sich gab. Der Schmerz, der meine Hand durchfuhr, vermochte den Schmerz, der so viel tiefer lag, jedoch kaum zu mindern.
Genügte es nicht, dass ich bereits in meinen Träumen von meiner Vergangenheit heimgesucht wurde? Musste dies nun auch passieren, wenn ich eindeutig bei wachem Verstand war?
Bevor ich ein zweites Mal ausholen konnte, um meiner Wut Raum zu verschaffen, klopfte es an der Tür.
Ich holte einmal tief Luft, bevor ich meinen Blick erneut aus dem Fenster richtete, als wäre gerade nichts geschehen.
„Herein!“, rief ich, ohne meine Augen von dem Anblick, der sich mir bot, abzuwenden.
Ich hörte, wie die Klinke ruckartig herunter gedrückt wurde, woraufhin die Tür wohl mit einigem Schwung aufflog, da sie mit erheblicher Lautstärke, gegen die Wand direkt hinter ihr krachte. Bevor ich auch nur ansatzweise damit beginnen konnte, mir Sorgen um mein Mobiliar zu machen, stand mein Besuch auch schon neben mir.
Es war Norman, der seinen Kopf weit aus dem Fenster streckte, als könne er so besser in die Ferne schauen.
„Hey, Reaver! Hast du schon dieses Schiff gesehen? Meinst du, dass es da was zu holen gibt?“, sprach er hastig, mit funkelnden Augen, welche sich auf das noch weit entferne Schiff richteten.
Ohne mein direktes zutun musst ich grinsen. Denn obwohl Norman ein ziemlich einfach gestrickter Kerl war, konnte ich seine Freude verstehen und teilte sie sogar.
Ich packte Norman, der sich mittlerweile noch weiter vorgebeugt hatte, hinten am Kragen, um ihn ohne Mühe wieder zurück ins Zimmer zu ziehen. Da er sich schon einige Male als gutes Mannschaftsmitglied erwiesen hatte, war mir nicht danach, ihn aus dem Fenster fallen zu sehen.
„Natürlich habe ich das Schiff gesehen. Immerhin bin ich nicht blind. Außerdem ist die Hafenglocke wohl kaum zu überhören und sie wird schließlich nicht aus Langeweile geläutet.“, sagte ich, nachdem ich Norman wieder los gelassen hatte. Er grinste mich breit an, bevor er erneut aus dem Fenster schaute, ohne sich diesmal einer Sturzgefahr auszusetzen.
„Und was meinst du?“, fragte er immer noch voller Aufregung. „Ob’s da was zu holen gibt? Irgendwelche Schätze, die wir uns krallen können? Oder schöne Weibsbilder?“
Ich lachte laut und klopfte Norman dabei auf die Schulter.
„Das Schiff befindet sich in einem ausgezeichneten Zustand, also macht es wohl gerade seine Jungfernfahrt. Bei so einem schmucken Schiff wird es uns garantiert nicht an Schätzen mangeln.“, erklärte ich ihm, bevor ich mich abwandte, um mich anzukleiden. Ich konnte unseren Gästen schließlich nicht im Morgenmantel gegenüber treten. Das folgte erst später, wenn ich an Bord ein paar hübsche Exemplare fand, die es wert waren, das Bett mit mir zu teilen.
Nachdem ich mich hinter den Paravan begeben, meinen begeben, meinen Morgenmantel abgelegt und mich rasch mit kaltem Wasser gewaschen hatte, welches mich angenehm erfrischte, öffnete ich meinen Wandschrank, um nachzusehen, was ich zu diesem feierlichen Anlass tragen sollte. Ich endschied mich für eines meiner Lieblingsgewänder, ein Ensemble aus rotem Samt, welches mit zarten Goldfäden, in eleganten Mustern bestickt war, und einem dazu passendem Umhang, der von einer goldenen, Rubin besetzten Brosche zusammen gehalten wurde. Immerhin musste ich meiner Position als Piratenkönig auch durch meine Erscheinung gerecht werden.
Währenddessen plapperte Norman ununterbrochen weiter. Er redete davon, wie lange schon kein fremdes Schiff in Bloodstone war, dass er es kaum erwarten konnte all die Schätze und Mädchen zu begutachten, wenn das Schiff erst einmal vor Anker lag, wobei er zwischendurch immer wieder, beiläufig die Bitte mitkommen zu dürfen, wenn ich mich auf den Weg zum Hafen machte, einfließen ließ und noch viele andere Dinge, bei denen ich ihm nicht wirklich zuhörte.
Als ich mich fertig zurecht gemacht hatte, trat ich wieder hinter dem Paravan hervor. Norman drehte sich zu mir um und beäugte mich für einen kurzen Moment.
„Wenn du so rum läufst kommt doch kein Weib zu mir.“, meinte er, jedoch mit einem schiefen Grinsen. Ich lachte laut.
„Als ob das je eine Frau bei dir getan hätte. Keine Sorge, ich werde dir die ganz verzweifelten überlassen. Die werden garantiert sogar mit dir vorlieb nehmen, wenn sie merken, dass es nichts anderes zu holen gibt.“
Norman fiel mir einem rauen Geckern in mein ein. Nachdem er sich beruhigt hatte trat ich wieder neben ihn ans Fester.
Das Schiff hatte sich am Horizont bereits vergrößert. Nun konnte wohl auch der älteste Greiß erkenne, dass es sich um ein wahres Prachtstück handelte. Zumindest bei Norman schien das der Fall zu sein.
„Du hattest Recht, Reaver! Das ist echt ein nettes Schätzchen.“, rief er, wobei er wieder damit begann sich aus dem Fenster zu lehnen.
„Habe ich mich denn je getäuscht?“, fragte ich mit einem breiten Grinsen, gepaart mit einer Stimme, die keine Antwort verlangte.
Mit einem Mal jaulte Norman auf, wie ein getretener Hund und sprang fast zurück in mein Zimmer. Mit einem gequälten Ausdruck im Gesicht zog er sich einen großen Splitter aus der linken Handfläche, um diesen gleich darauf abfällig aus dem Fenster zu schnippen. Dann richtete er seinen Blick auf das Fensterbrett.
Ich folgte seinem Blich, wobei ich fast spüren konnte, wie mein Gesicht an Farbe verlor. Da ich vorhin von Norman abgelenkt wurde und Wunden bei mir schneller heilten, als bei anderen, hatte ich keinen Gedanken mehr an meine Zerstörungswut verloren.
Doch in meinem Zorn hatte ich dem Fensterbrett schlimmer zugesetzt, als ich geahnt hatte. Es war an der Stelle, an der ich es getroffen hatte, weit gebogen, sodass es stark gesplittert war und fast in zwei Teile zu brechen drohte.
„Sag mal, was haste denn da angestellt?“, fragte Norman, während er sich mit großen Augen zu mir um wandte.
„Das geht dich nicht im geringsten etwas an!“, gab ich in einem scharfen Ton zurück, der jedem meiner Mannschaftsmitglieder gut bekannt war, sodass Norman direkt wusste, dass er keine Fragen zu stellen hatte. Sofort begann er den Augenkontakt mit mir zu meiden und murmelte eine Entschuldigung, welche ich ignorierte.
„Sorge dafür, dass du jemanden findest, der sich darum kümmert.“, wies ich ihn mit einer leichten Kopfbewegung in Richtung des Fensterbrettes an.
„Ansonsten finde ich jemanden, der an deiner Stelle mit zum Hafen kommt und sich um die Frauen des neuen Schiffes kümmert. Nun scher dich davon.“
Norman nickte, verneigte sich knapp, verließ schnellen Schrittes mein Gemach und warf die Tür so laut hinter sich zu, wie er sie zuvor aufgeworfen hatte.
Ich atmete ein paar Mal tief durch, bevor ich mich mit dem Rücken gegen die Wand neben dem Fenster lehnte. Abermals fiel mein Blick auf das derangierte Fensterbrett.
Als mir wieder in den Sinn kam, warum ich darauf eingeschlagen hatte, ballte sich meine Hand erneut zur Faust, doch zugleich spürte ich die Trauer, den Schmerz, welche beide tief in mir lagen.
Ich durfte sie nicht zulassen.
Ich durfte diese Gefühle, die eindeutig einem anderen Mann gehörten, einfach nicht an mich heran lassen.
Ich schloss meine Augen und versuchte diese Gedanken und Empfindungen von mir fort zu schieben.
Draußen hörte ich das Rauschen des Windes, welcher erneut seinen Weg zu mir fand und mit seinem warmen Hauch über mein Gesicht streichelte.
Doch diesmal ließ ich mich nicht von ihm täuschen.
Ich öffnete meine Augen, stieß mich von der Wand ab und begab mich zu meinem Nachttisch, auf dem noch eine, bereits entkorkte, Flasche Wein auf mich wartete. Als ich den silbernen Kelch, der ebenfalls auf dem Nachttisch stand, hochhob, bemerkte ich, dass er so gut poliert war, dass ich mein Spiegelbild darin sehen konnte.
Der Mann den ich sah, war zwar genauso schön wie ich, doch in seinen Augen lagen tiefe Trauer und Schmerz.
„Liam …“, hörte ich Liora in meinem Kopf, ihre Stimme nur ein leises, trauriges Flüstern.
„Nein!“, sagte ich mit einer unermesslichen Wut in der Stimme. Ich holte aus und schleuderte den Kelch so fest gegen die nächst gelegene Wand, dass er beim Aufprall zerschellte.
„Ich bin nicht dieser Mann! Er ist schon seit Jahrhunderten tot!“
Ich griff nach der Weinflasche, trank direkt aus ihr und setzte erst wieder ab, als kein Tropfen mehr übrig war. Kurz danach ergossen sich auch die Flaschenscherben über den Fußboden
Ich stieg über das Chaos hinweg, um wieder zum Fenster zu gelangen.
Bloodstone lag immer noch, versunken in geschäftigem Treiben, vor mir. Das Schiff am Horizont kam immer näher, würde also bald in meinen Hafen einlaufen.
Ich atmete noch einmal tief durch und sagte mir das, was ich oder irgendwer anders niemals vergessen durfte:
„Ich bin Reaver!“
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